Protokoll der 11. Sitzung des
Runden Tisches Energie

in der Universität Hamburg
am 15. Dezember 1997, 16:15 - 19 Uhr, Zool. Institut

Anwesende:

H. Spitzer, B. Schubert, C. Balzer, G.Kranz, C. Arndt, G. Bock, K. Bernhardt, C. Krupp, H. Zeise, M. Gottschick

Top 1. Vortrag "Aufbau eines Umweltmanagementsystems für die Uni-HH. Pilotprojekt ist der Fachbereich Informatik" von Manuel Gottschick

Kurzbeschreibung des Projektes

Zielsetzung des Projekts ist die Verbindung von Umweltmanagement und Organisationsentwicklung am Beispiel einer Hochschule. Gerade bei einem solchen Dienstleistungsbetrieb wird deutlich, daß Umweltmanagement kaum von oben nach unten angeordnet werden kann. Eine Hochschule ist nicht klar hierarchisch gegliedert, sondern hat eine heterarchische Struktur, die durch formale Rahmenbedingungen gegeben ist (z.B. prinzipielle Freiheit von Forschung und Lehre) aber auch durch Sympathien, Antipathien, Vorurteile, Macht und persönliche Interessen geprägt wird.

Unser Konzept will diese Aspekte berücksichtigen. Nicht, indem eine Expertengruppe die Geschäftsprozesse und Umweltwirkungen der Hochschule analysiert und Verbesserungen vorschlägt, sondern indem die

Besonderes Augenmerk muß dabei auf die Motivation, effektive Information und Kommunikation der Akteure gelegt werden. Als größtes Problem kristallisiert sich heraus, daß auch grundsätzlich motivierte Akteure aus Zeitmangel einer aktiven Mitarbeit eher skeptisch gegenüberstehen. Diesem soll/muß in allen Bereichen Rechnung getragen werden. Z.B. durch zeitoptimierte, ergebnisorientierte Gesprächsmoderation, elektronische Medien wie Email und www, klar strukturierte Informationen und Transparenz der erreichten Erfolge.

Am Fachbereich Informatik soll das Konzept als Pilotprojekt angewendet werde, um es im weiteren Verlauf auf weitere Fachbereiche der Universität Hamburg zu übertragen.

Der Vortrag

Einleitung
Dienstleistungsbetriebe, wie auch die Hochschule einer ist, haben einen beträchtlichen Verbrauch an Ressourcen. Der Durchsatz an Stoffen wie Wasser und Papier, der Verbrauch an Energieträgern wie Strom, Gas und Fernwärme und auch die Verursachung von Verkehr steht in bezug auf die Menge und die Umweltwirkungen einem Produktionsbetrieb um nichts nach.

Folie 1: Der Verbrauch an elektrischer Energie, Heizenergie und Wasser verursachte 1995 Kosten von 20 Millionen DM bei der Universität und 685 Tausend Mark beim FB Informatik. Es fällt auf, daß beim FBI der Anteil der Stromkosten mit 73% viel höher liegt als im Durchschnitt bei der Universität (54%).

Folie 1: Folie 2: Gliederung des Vortrags

Folie 3: Schematische Darstellung des klassischen Aufbaus eines Umweltmanagementsystems nach der EG-Öko-Audit-Verordnung (EMAS). Nach der Entscheidung der Unternehmensführung, dem Aufbau eines Informationssystems, der Festlegung von Umweltleitlinien und der ersten Datenerfassung, werden Umweltziele und Maßnahmen formuliert. Dann werden die Maßnahmen durchgeführt, die Daten erneut erfaßt und mit den Zielen verglichen. Darauf aufbauend werden die Ziele und Maßnahmen neu formuliert u.s.w.. So soll ein kontinuierlicher Verbesserungsprozeß in Gang gesetzt werden.

Folie 4: Auch an der Universität werden Leitlinien diskutiert. Zur Anschauung hier ein Entwurf von Herrn Rinze.

Folie 5: Auch andere Hochschulen arbeiten an einem eigenen Umweltmanagementkonzept. Eine Auswahl ist hier zusammengetragen. Bemerkenswert ist das Projekt an der Universität Osnabrück, welches sich zur Zeit in der 4. Phase befindet sowie das sich in der Antragstellung befindliche (DBU) Projekt „Netzwerk umweltfreundliche Hochschulen Deutschland“. Antragsteller sind die Universität Osnabrück und die FH Wirtschaft in Berlin. Mitgewirkt haben weiterhin die Universität Kiel, die FH Hamburg und auch die Universität Hamburg.

Folie 6: Das Umweltmanagementkonzept der Fachhochschule Hamburg besteht aus fünf Bausteinen. Es sind Diplomarbeiten von Umwelttechnikstudierenden, die unabhängig voneinander verwendet werden können. Das Umweltkennzahlensystem ist bereits fertiggestellt, die weiteren werden im Laufe die Jahres beendet.

Folie 7: Was macht die Universität Hamburg? Neben dem Technischen Betrieb und dem Referat für Arbeitssicherheit und Umweltschutz, die sich in der täglichen Arbeit mit Fragen des Umweltschutzes auseinandersetzen, gibt es die Gruppe Agenda 21, in der sich an Nachhaltigkeit Interessierte treffen und den Runden Tisch Energie. Bei den monatlichen Treffen des Runden Tisches Energie werden, nach einem Vortrag von meist externen Fachleuten, aktuelle Themen der Energieeinsparung an der Universität besprochen und umgesetzt. Beide Gruppen sind offen für weitere Interessierte! Kontakt und weitere Informationen über mich.

Der Energie Tisch ist auf die Initiative des Runden Tisches Energie entstanden und eingebettet im Projekt ProUni (und auch darüber finanziert). Ein externer Moderator vom Institut für Organisation und Kommunikation (IFOK) moderiert diesen Prozeß. Ziel ist es, bei den Pilotfachbereichen Physik, Chemie, Biologie, Rechenzentrum und Informatik die Energieanwendung zu optimieren. Als Anreizsystem werden 50% der vom Fachbereich eingesparten Kosten bei Wärme, Strom und Wasser beim Fachbereich zur freien Verwendung verbleiben.

Ohne Folie: Besonderheiten bei Hochschulen. Bei einem Umweltmanagementsystem für Hochschulen muß auf folgende Besonderheiten gegenüber Unternehmen in der Wirtschaft geachtet werden. 1. Das Produkt einer Hochschule ist nicht quantifizierbar. Zwar herrscht Einigkeit darüber, daß Hochschulen der Wissensvermehrung und -vermittlung dienen, wie aber dies als Bezugsgröße für Umweltwirkungen verwendet werden kann, ist nicht einvernehmlich geklärt. 2. Die Finanzierung von Investitionen und Betrieb ist kompliziert und „nicht in einer Hand“. 3. Es gibt keinen klar hierarchischen Aufbau der Hochschule.

Folie 8: Dem klassischen, schematischen Aufbau eines Unternehmens in Form eines Dreieckes (oben), steht bei einer Hochschule eher ein Gebirge von Dreiecken entgegen (Mitte). Die auf unser Konzept besser passende Darstellung der Hochschulorganisation legt den Vergleich mit einer Pflanze nahe (unten). Der Stengel und die zur Photosynthese notwendigen Blätter werden durch zentrale Einrichtungen wie z.B. Bibliothek und technischem Betrieb gebildet. Davon gehen die Fachbereiche (FB) ab, die sich wiederum in Arbeitsbereiche (AB) (oder Institute) und Arbeitsplätze (AP) untergliedern. Diese Darstellungsart soll hervorheben, daß die einzelnen Arbeitsplätze eng mit dem Arbeitsbereich verbunden sind, weniger eng mit dem Fachbereich und noch weniger mit der Hochschule und, daß es kaum Verbindungen zu anderen Fachbereichen gibt.

Folie 9: Organisationsentwicklung. Für das Umweltmanagementsystem verstehen wir die Universität als (umwelt)lernende Organisation. Um zu dem gewünschten permanenten Unruhe-, Lern- und Findungsprozeß zu kommen, beginnen wir mir Moderationsmethoden, mit denen die Mitarbeit und emotionale Einstimmung der Akteure angeregt werden soll. Im weiteren Verlauf sollen umweltschonendere Verhaltensweisen in die alltägliche Arbeit der Akteure eingewoben werden.

Folie 10: Umweltmanagement & Organisationsentwicklung. Wir gehen weder von einem top-down noch von einem bottom-up Ansatz aus, sondern wollen auf allen Ebenen (Fachbereich, Arbeitsbreich, Arbeitsplatz) die notwendigen Prozesse in Gang setzen. Jede Ebene hat ihre spezifische Wahrnehmung, Interessen und Handlungsmöglichkeiten. Diese sollen durch einen externen Moderator und Umweltexperten angeregt und in ergebnisorientierte Bahnen gelenkt werden. Wichtig bei unserem Konzept ist, daß nicht einer/eine allein die Verantwortung für die Erfolge des Prozesses hat, sei es der Dekan oder der Umweltexperte, sondern, daß die Akteure selbst bestimmen, wie weit sie von ihren Gewohnheiten ablassen wollen, um umweltfreundlichere Alternativen im täglichen Handeln die Regel werden zu lassen.
Die Ebenen sollen miteinander kommunizieren und sich so gegenseitig informieren, motivieren und auch regulieren.
Als Ergebnis während der Pilotumsetzung am Fachbereich Informatik sollen Beispiel- oder Referenzmodelle (RM) entstehen, die von anderen Fachbereichen aufgenommen, modifiziert und umgesetzt werden können.
Als Diskurswerkzeuge sollen elektronische Medien wie Emailing Listen, interaktive wwwSeiten und Newsgroups eingesetzt werden. Persönliche Gespräche, Interviews, Workshops und Informationen im Arbeitsbereich sind genauso Bestandteil, wie Datenerhebung, -analyse und deren Darstellung.

Zur praktischen Umsetzung soll auf der Fachbereichsebene bei der Informatik ein Umweltteam ins Leben gerufen werden, das sich aus allen Interessierten (ProfessorInnen, MitarbeiterInnen und Studierende), Fachleuten (z.B. Maschinenmeister, Hausmeister) und EntscheidungsträgerInnen (z.B. Dekan, Technischer Betrieb) zusammensetzen kann. Auf der Arbeitsbereichsebene sollen im ersten Schritt bei 1-3 interessierten Arbeitsbereichen der Umweltmanagementprozeß angestoßen werden.

Verbrauchsdaten am Fachbereich

Folie 11: Stromverbrauch. Die stark fallenden Stromverbräuche von 1991 bis 1994 sind auf den Auszug von Phillips zurück zu führen. Erst das Jahr 1995 spiegelt den Verbrauch vom FBI wider. Eine tiefergehende Analyse dieser Daten ist noch nicht erfolgt (z.B. der Verbauch von Nutzern, die nicht zum FBI gehören). Technisch ist bisher eine Aufschlüsselung des Stromverbrauchs auf Gebäudeebene möglich. An der Aufbereitung dieser Daten und einer weiteren Differenzierung arbeite ich.

Folie 12: Gasverbrauch. Da der Gasverbrauch stark von der beheizten Fläche und der Witterung abhängt, ist der Auszug von Philipps hier nicht zu erkennen. Erst eine Witterungsbereinigung, bei der der Einfluß von kalten oder warmen Wintern herausgerechnet wird, ermöglicht einen Vergleich der nutzerbedingten Wärmeverbräuche über die Zeit. Die Abbildung dient nur zur Verdeutlichung der Dimension des Wärmeverbrauchs. Eine demnächst erfolgende Witterungsbereinigung und Kennzahlenbildung wird, in Verbindung mit Vergleichswerten, eine bessere Einordnung der Werte ermöglichen.

Wenn Sie Anregungen, Kritik oder Fragen haben, dann zögern Sie nicht, mich anzusprechen. Das Konzept lebt auch von Ihrer Beteiligung!

Manuel Gottschick
Tel.: 5494-2367 (Behördennetz: 9003)
Fax: 5494-2311
Email: gottschick@informatik.uni-hamburg.de

Top 2. Hartwig Spitzer stellt den Energie Tisch vor

(siehe die selbsterklärenden Folien im Anhang)

Top 3. sonstiges

Christoph Balzer berichtet von seinen Schwierigkeiten einen umweltfreundlichen Computer zu beschaffen. Die Preisdifferenz von etwa 1.000 DM von einem umweltfreundlichen Computer gegenüber einem normalen war zu groß. Abhilfe können nur verbindliche Richtlinien bei der zentralen Beschaffung leisten. Allerdings werden die meisten Rechner wohl über Drittmittel beschafft. Hier sollte die Uni mit einer leistungsfähigen Firma eine Vereinbarung treffen, bei der dann Drittmittelprojekte verbilligte umweltfreundliche Rechner zusammenstellen lassen koennen.

Das neue Licht-Info wurde verteilt und soll in der Uni-HH veröffentlicht werden. Es wurde diskutiert, ob das Layout nicht durch eine andere Textgestaltung und mehr Bildern aufgelockert werden könnte. In jedem Fall müssen die Kernaussagen mit einem Blick zu sehen sein.

Für das Infoblatt über Computernutzung werden Christoph Balzer und Manuel Gottschick ihre Ideen zusammen bringen.

Christoph Balzer berichtet, daß in der Physik zwei weitere Argon-Laser gegen diodengepumpte Festkörperlaser ausgetauscht werden. Dadurch werden etwa 50.000 DM/a eingespart! [Herzlichen Glückwunsch! d. Protokolland]

Top 4. weitere Vortragsthemen für den Runden Tisch Energie

gez. Manuel Gottschick

Zum Protokoll vom 26.1.98
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Last modified: Fri Mar 6 10:48:37 1998