Protokoll der 12. Sitzung des
Runden Tisches Energie

in der Universität Hamburg
am 26. Januar 1998, 16:15 - 18:15 Uhr, Zool. Institut

Anwesende:

C. Arndt, N. Stockmann, G. Kranz, B. Schubert, G. Huber, H.-P. Zeise, F. Nullmeier, S. Prelle, H. Spitzer, A. Harmsen, M. Gottschick, C. Balzer, K. Bernhardt, G. Bock, S. Gößling

Inhalt:

  1. Der Hamburger Wärmepass
  2. Neues vom Projekt Energieoptimierung
  3. Nächste Schritte
  4. Sonstiges
  5. Nächstes Treffen

1. Der Hamburger Wärmepass (Vortrag A. Harmsen)

Der Wärmepass ist eine Maßnahme der Hamburger Umweltbehörde. Er beschreibt den Wärmeverlust eines Hauses bezogen auf seine Nutzfläche (in kWh/m^2) und hat mehrere Funktionen:
  1. Förderung von Energiesparmaßnahmen
  2. Neutrale Bemessungsgrundlage für Wärmeschutzmaßnahmen
  3. Optimierung von Baumaßnahmen
  4. Richtlinien für Handwerker, Bauunternehmer
  5. Qualitätsmerkmal bei Wiederverkauf eines Hauses
  6. Auszeichnung bei Vermietung ( --> Mietwohnungsbau)
  7. Voraussetzung bei Vergabe von Zuschüssen für Energiesparmaßnahmen
Diese Maßnahme steht vor dem Hintergrund, dass durchschnittlich 40% der an die Haushalte gelieferten Endenergie für Wärmeerzeugung verwendet wird, genauer für Raumwärmeerzeugung (36%) und Warmwasserbereitung (4%). Diese Zahlen sind hauptsächlich bestimmt durch den großen Bestand an alten Gebäuden, die über nur unzureichende Dämmung und zum Teil ineffiziente Heizsysteme verfügen. So verbrauchen ältere Gebäude im Schnitt etwa 22-27 l Heizöl im Jahr pro Quadratmeter Nutzfläche, während Niedrigenergiehäuser mit etwa 3-7 l auskommen. Die durchschnittliche Erneuerungsrate der Gebäudesubstanz von ca. 2% reicht daher nicht aus, um den insgesamten Energiebedarf für Raumwärme kurz- und mittelfristig zu senken.

Der Ablauf des Programms zur Ausstellung eines Wärmepasses wird dabei je nach Gebäudeart von zwei verschiedenen Stellen koordiniert:
a) für 1-4 Familienhäuser vom Zentrum für Energie, Wasser und Umwelt (ZEWU) in Harburg und
b) für größere Häuser von der Wohnungsbaukreditanstalt.

Im Falle a) beginnt das Verfahren mit der Zusendung von Info-Material an interessierte Hausbesitzer. In diesem befindet sich eine Liste mit Ingenieur- und Architektenbüros die Wärmepässe ausstellen können. Der Antragsteller beauftragt ein solches Büro mit der Durchführung des Antrags. Bei einem Ortstermin werden die anvisierten Energiesparmaßnahmen besprochen. Das beauftragte Büro berechnet mithilfe eines Computerprogramms den Wärmebedarf des Hauses und schätzt die mit den Maßnahmen verbundenen Einsparungen ab. Die Resultate werden per Diskette oder email an das ZEWU geschickt, welches dann daraus eine umfassende Broschüre (300+ Seiten!) erarbeitet und an den Antragsteller zurücksendet. Dieser beantragt dann die Förderung von Maßnahmen und die Übernahme der Verfahrenskosten beim ZEWU. Die Förderungssumme kann bis zu 14.000 DM betragen und deckt im allgemeinen 30-40% der Kosten. Sie wird als direkter Zuschuss bezahlt.

Im Falle b) ist der Ablauf des Verfahrens ganz analog zu a), nur ist die koordinierende Stelle eben die Wohnungsbaukreditanstalt. Die Förderung ist hier allerdings festgeschrieben: 1 DM pro jährlich eingesparte kWh als einmaliger Zuschuss. Der Fördertopf ist allerdings mit nur 2 Mio. Mark recht bescheiden bemessen und dürfte in kürzester Zeit aufgebraucht sein.

Herr Harmsen begrüßt den Wärmepass grundsätzlich, äußerte aber an einigen technischen Punkten Kritik. So werden durch den Wärmepass nur Wärmeverluste erfasst (es wird also eine Gebäude-Energiekennzahl berechnet), die Heizungsanlage und das Nutzungsverhalten bleiben unberücksichtigt. Auch werden verschiedenen Wärmequellen (Fernwärme, Öl- oder Gasheizung..) nicht unterschieden und deren unterschiedliche Umweltauswirkungen nicht berücksichtigt. Ferner ist das PC-Programm zur Berechnung des Wärmebedarfs in hohem Maße unflexibel und störanfällig. Beispielsweise werden Bauteile stark vereinfacht dargestellt und können nicht, oder nur auf umständliche Weise, verändert werden. Es gibt auch keine logische Verknüpfung der Eingaben, so dass eine Fehlbedienung durch inkonsistente Eingaben möglich ist. Fazit ist, dass das Programm eigentlich überflüssig ist, zumal es zahlreiche andere Programme gibt, die die gestellte Aufgabe besser erfüllen. Letztendlich wäre auch eine Berechnung `zu Fuß' nicht allzu aufwendig.

Auf die Frage, ob es untere Grenzen für die Förderung von Maßnahmen gibt, antwortete Herr Harmsen, dass bei zu geringem Einsparpotential (z.B. einzelne Fenster erneuern) oder zu erwartenden Nebeneffekten (z.B. schlechtes Mauerwerk [k=2.5] und gute Fenster [k=1.5] --> Feuchtigkeit kondensiert auf der Wand --> Vermehrtes Lüften) eine Förderung abgelehnt wird. Hieraus ergab sich eine Diskussion über die Bedeutung des Lüftens für den Wärmeverlust eines Hauses. Aus dieser ergab sich, dass meistens ein 0.2-0.3 facher Luftaustausch pro Stunde ausreichend ist und mittels Stoßlüftung erreicht werden kann. Eine Zwangslüftung (durch Lüfter) ist sinnvoll in Niedrigenergiehäusern (da hier die Lüftungsverluste relativ gesehen groß sind) und in Gebäuden/Räumen die nicht ständig von denselben Personen benutzt werden (z.B. Hörsäle) da hier eine Kontrolle des Lüftungsvorgangs nicht gegeben ist. Dabei muss aber der psychologische Aspekt des `Fenster-öffnen' beachtet werden, Stichwort Reizklima, der einem geregelten Lüften oftmals entgegensteht. In den Hörsälen der Uni wird die Luftzufuhr über CO2, Feuchtigkeit und Temperatur gesteuert, in den Büros und Seminarräumen wird per Hand geregelt. Herr Spitzer bemerkte, dass hier eine Aufgabe für die Energieteams wartet: verbindliche Regeln zum Thema Lüften aufstellen und deren Umsetzung motivieren.

2. Neues vom Projekt Energieoptimierung

Herr Spitzer berichtet, dass nach der Einrichtung des Energie-Tisches auch die Bildung von Energieteams in den Fachbereichen voranschreitet. Die Teams werden dabei von der IFOK (die den Energie-Tisch moderiert) unterstützt. Ferner ist die Regelung zur Beteiligung an Energiespargewinnen letzte Woche von Präsident Lüthje unterschrieben worden. Die letzten änderungen beinhalten, dass 50% der Einsparungen an die Benutzerstelle gehen, die Kosten für das Abrechnungsverfahren von der Uni getragen werden und die Vergleichsbasis (= Ist-Zustand) für 3 Jahre eingefroren wird. Weiterhin wurde eine Prämie für fremd-finanzierte Energiesparmaßnahmen vereinbart. Die Abrechnungsstelle soll in der Uni eingerichtet und dauerhaft mit einer Person besetzt werden, um Kontinuität zu gewährleisten.

3. Nächste Schritte

Zunächst einigten sich die Teilnehmer/innen auf folgende Themen, die demnächst beim Runden Tisch Energie behandelt werden sollen:
  1. Vortrag vom Umweltzentrum Karlshöhe zum Thema `Anreize zur Verhaltensänderung'. Frau Prelle wird sich darum kümmern.
  2. Erstellung von Arbeitsmaterialien zum Thema `Energie- und Wasserspartips fürs Labor'. Herr Bernhardt bereitet dazu einen Vortrag vor.
  3. Vortrag von Frau Blumenberg über Wärmedämmung
Weitere Themenwünsche sind:

4. Sonstiges

Herr Gottschick stellte die Zeitschrift `Energie Depesche' vor. In der letzten Ausgabe wird ein neues Messgerät vorgestellt. Es erlaubt die Fernabfrage von Zählerständen (Strom/Wasser) mittels Übertragung durchs Stromleitungsnetz. Kosten pro Gerät: 1500 DM. Das Gerät könnte sinnvoll sein im Rahmen der Motivierung von Mitarbeitern.

Herr Spitzer informiert, dass in der letzten Ausgab von Uni-hh das Lichtinfo `erschienen' ist.

Herr Balzer und Herr Gottschick erklären sich bereit ein Info zum Thema Energiesparen beim Umgang mit Computern zu erstellen. Es soll sich im Layout am Lichtinfo orientieren.

Herr Balzer stellt die Ergebnisse seiner Untersuchung der Leistungsaufnahme eines Monitors bei unterschiedlichen Betriebszuständen vor (siehe Kopie im Anhang)

5. Nächstes Treffen

Das nächste Treffen soll am 25.2.1998 um 16:15 im Zoologischen Institut, Seminarraum U17 stattfinden. Das übernächste Treffen ist für den 1.4.1998 um 16:15 am selben Ort angesetzt. Achtung: Die beiden nächsten Treffen finden an einem Mittwoch statt!
gez. Stefan Gößling

Zum Protokoll vom 25.2.98
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Last modified: Fri Mar 6 11:31:59 1998