Energie-Info Nr. 1

Tips für schlaue Rechner

Arbeitsplatzrechner

In regelmäßigen Energie-Infos sollen Tips und Informationen zum Thema Energieoptimierung gegeben werden mit dem Ziel, die Umwelt zu schonen und Einspargewinne zu erzielen. Der Schwerpunkt der Energie-Infos liegt bei den Bereichen, bei denen jedeR einzelne Einflußmöglichkeiten hat. Die Information ist hierarchisch angeordnet: Im ersten Abschnitt werden ohne weitere Begründung die Möglichkeiten aufgeführt, wie mit einfachen Mitteln Energie gespart werden kann. Im zweiten Abschnitt werden Daten und Bezugsgrößen genannt und im dritten Abschnitt werden ausführlicher die Hintergründe beschrieben.

Viel Spaß und Erfolg bei der Energieoptimierung!

Diese Energie-Info wurde mit Herrn Mück (RZ der Informatik) besprochen. Er hat prinzipiell bei moderneren Geräten keine Bedenken gegen die folgenden Vorschläge.

Maßnahmen

  1. Schon bei Arbeitspausen von länger als 15 min lohnt es sich, den Rechner und Monitor am Netzschalter auszuschalten, so z.B. bei der Mittagspause, Lehrveranstaltung o.ä.
    (Reduktion von ca. 110W auf 0-5W => 100-95% Ersparnis, ohne nennenswerte Reduktion der Lebensdauer bei Geräten mit Baujahr um 1992 oder jünger).
  2. Ist das Abschalten des Rechners nicht möglich bzw. wegen langer Bootzeit nicht erwünscht: Monitor am Netzschalter ausschalten (110W -> 30W => 70% Ersparnis).
  3. Zusätzlich sollten die möglichen Standby Modi eingeschaltet sein, z.B.:
    (Hilfestellung gibt Ihnen Ihr Systemadministrator.)
    1. nach 5 min: dunkler Bildschirmschoner (110W -> 94W => 15%)
    2. nach 8 min: Monitor auf Standby (110W -> 43W => 60%)
    3. nach 15 min Bildröhrenheizung aus (110W -> 33W => 70%)
  4. Manche Rechnertypen (insbesondere Macs) verbrauchen auch dann Strom, wenn sie ganz aus sind (1-12W). Abhilfe: Netzstecker ziehen oder schaltbare Steckerleiste verwenden.
  5. Bewegte, farbige Bildschirmschoner verbrauchen mehr Energie als bspw. ein WORD-Bildschirm oder dunkler Bildschirmschoner und sind i.d.R. zum Schonen des Bildschirms nicht notwendig.
  6. Bei der Beschaffung von neuen Rechnern den Energieverbrauch in Betrieb und Standby berücksichtigen
    -> siehe Computer Umweltliste vom BUND, Stiftung Warentest.
    Die Liste kann eingesehen werden bei Manuel Gottschick, FB Informatik, Email: gottschick@informatik.uni-hamburg.de .

Daten

Hintergründe

Der Anteil der EDV am Stromverbrauch eines modernen Bürogebäudes beläuft sich auf bis zu 40 Prozent, so die Technische Anweisung Elektro (TAE) der Umweltbehörde. An der Universität haben wir zwar keine modernen Gebäude aber die Ausstattung mit EDV dürfte modernen Standards entsprechen. Untersuchungen am Institut für Kernphysik der Universität Kiel ergaben für die EDV einen Anteil von 30% vom Stromverbrauch des Instituts. In erster Näherung kann daher auch für die gesamte Universität von einem solchen Anteil ausgegangen werden. 48.000 MWh Strom verbrauchte die Universität (ohne UKE) 1995. In Kosten ausgedrückt waren das 11.000.000 DM, davon 30 % für die EDV sind 3.000.000 DM.

Aufgrund dieser Zahlen ist es am effektivsten, mit der Energieoptimierung bei der EDV anzufangen. Die einfachste und wirkungsvollste Maßnahme ist, den Arbeitsplatzrecher einfach immer dann auszuschalten, wenn er (15min) nicht gebraucht wird, bzw. seine Arbeit so zu organisieren, daß Blöcke von Rechnerarbeit entstehen. Das mag teilweise gehen; dagegen spricht, daß aus arbeitsmedizinischer Sicht kürzere und häufigere Bildschirmarbeit günstiger ist, als wenige lange Arbeitsblöcke. Fakt bleibt, daß bei Pausen länger als 15 Minuten der Rechner ausgeschaltet werden sollte. Ab dieser Zeitspanne ist die Lebenszeitverkürzung und der Mehrverbrauch beim Einschalten so gering, daß die Bilanz positiv wird.

Schwerfallen dürfte manchem, daß er nicht sofort informiert wird, wenn er eine Email bekommt, aber auch die Wartezeit beim Booten ist lästig. Es ist ein Abwägungsprozeß bei dem jedeR seinen eigenen Kompromiß finden muß. Vielleicht reicht es ja, wenn man den Rechner jede Stunde hochfahren und nach Email checken läßt und vielleicht ist es akzeptabel, wenn man den Rechner 2 Minuten bevor man ihn braucht einschaltet.

Für die Fälle, bei denen man sich entscheidet den Rechner nicht auszuschalten (z.B. wegen Email oder Bootzeit), bietet es sich an, zumindest den Monitor vom Netz zu trennen. Auch hier ist die Bilanz bei Ausschaltzeiten von 15 Minuten positiv. Schließlich verbraucht der Monitor etwa 70% der Energie (15") und zwar um so mehr, je größer er ist (zum Vergleich: 14", monochrom = 18 Watt; 15" = 80 W; 17" = 100 W; 20" = 130W).

Zusätzlich zum "zügigen Ausschalten" ist es sinnvoll, das in der Regel vorhandene Power-Management zu nutzen. Dies ist nicht zu verwechseln mit den farbigen, bewegten Bildschirmschonern. Diese verbrauchen teilweise mehr Energie als z.B. ein WORD-Bildschirm. Gemeint ist 1. das Dunkelschalten des Monitors durch Abschalten des Elektronenstrahls und der Zeilenablenkung und 2. das Abschalten der Bildröhrenheizung. Letzteres ist der Grund, warum Monitore eine Zeit brauchen, um "warm" zu werden, weil die Heizung die Bildröhre ersteinmal auf eine bestimmte Temperatur aufheizen muß. Bei der Standby-Schaltung ihres Fernsehers Zuhause wird übrigens die Bildröhre immer ein wenig auf Temperatur gehalten, mit der Folge, daß das Bild schneller da ist und der Fernseher etwa 5-10W verbraucht obwohl er scheinbar "aus" ist (Der Standby-Verbrauch aller Geräte in Deutschland lastet zwei mittlere Atomkraftwerke aus!). Für die Einstellung des Power-Managements ihres Rechners fragen sie bitte ihren Systemadministrator.

Für Fragen, Anmerkungen und Diskussion stehe ich gerne zur Verfügung.


Bearbeitet von Manuel Gottschick, FB Informatik, ASI;
Email: gottschick@informatik.uni-hamburg.de

Runder Tisch Energie, c.o.
Prof. Hartwig Spitzer
II. Institut für Experimentalphysik
Luruper Chaussee 149
22761 Hamburg
Tel: 040/8998-2313
Fax: 040/8998-3282
E-Mail: hartwig.spitzer@desy.de


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Last modified: Fri Mar 27 15:35:58 1998