Runder Tisch Energie gegründet

Worum es geht

Wissen Sie, wie hoch der Energieverbrauch Ihres Instituts oder Fachbereichs ist und wer die Rechnung bezahlt? Können Sie Ihren Kindern oder Mitstudis erklären, wieviel Kilogramm Kohlendioxid (CO2) bei Ihrer nächsten Auto- oder Zugfahrt nach Kiel in die Atmosphäre gepustet werden? Oder haben Sie schon mitgekriegt, wieviel Energie-Einspargewinne Hamburger Schulen im letzten Jahr einstreichen konnten? Und was hat das alles mit der AGENDA 21 zu tun die auf dem Erdgipfel in Rio (1992) verabschiedet wurde?

Das sind einige der Stichworte, um die es beim Runden Tisch Energie in der Universität Hamburg geht. Die Universität (ohne UKE) hat im Jahr 1995 Energie- und Wasserkosten von insgesamt 20.5 Millionen Mark verursacht, darunter allein 11 Millionen Mark für Strom und 6.7 Millionen Mark für Heizkosten. Zwar entstehen die Hauptkosten auf dem dicht bebauten und stark genutzten Campus; doch die großen Einzelverbraucher mit jeweils über zwei Millionen Mark sind die drei naturwissenschaftlichen Fachbereiche Biologie, Chemie und Physik. Die Energie- und Wasserrechnung des UKE betrug stolze 12 Millionen Mark. Dort wie überall kam der Strom bisher ganz einfach ``aus der Steckdose'', ohne Abrechnung und ohne Rechnung für den Endnutzer. Mehr- oder Minderverbräuche gingen früher zu Lasten der Finanzbehörde. Seit 1996 müssen sie von der Universität aufgefangen werden. Anreize zum bewußten Umgang mit Energie - wie etwa beim Fifty / Fifty-Programm an der Schulbehörde - gibt es nicht. Das kann sich bald ändern. Die Verlagerung von Haushaltsverantwortung in die Fachbereiche und die Einrichtung vieler Zwischenzähler vor Ort bieten erstmals die Möglichkeit, den Energieverbrauch dezentral zu verrechnen und zu optimieren.

Fifty - Fifty in der Schule

Die Hamburger Schulbehörde hat vor drei Jahren ein bundesweit beachtetes Pionierprojekt auf den Weg gebracht, das 'Fifty-Fifty'-Programm. Jede Schule, die den - witterungsbereinigten - Energieverbrauch der Vorjahre unterschreitet, bekommt die Hälfte des Einspargewinns in barer Münze zur freien Verfügung ausgezahlt. Dadurch wurde an bisher über 40 Schulen eine unerwartete Dynamik in Gang gesetzt, nicht nur bei der Optimierung von Beleuchtung, Heizung und Lüftung, sondern auch im Unterricht. Denn Energie - in allen ihren Erscheinungsformen und Umwandlungsprozessen - ist ein Thema, bei dem man sehr viel lernen kann, und das sich ideal für Projektarbeit eignet.

Und an der Uni?

Wie sieht es nun an der Universität aus? Bisher lag die Verantwortung für die Energieversorgung der Universität (ohne UKE) ausschließlich beim Technischen Betrieb, unter Leitung von Herrn Bernhardt für den Fachbereich Chemie und von Herrn Zeise für die übrige Universität. Mit finanzieller Unterstützung durch HEW und Umweltbehörde wurden zahlreiche Verbesserungen an technischen Anlagen durchgeführt, die zu einer Minderung des Energieverbrauches führen sollen, so zum Beispiel der Ersatz von energiefressenden Pumpen im FB Chemie und die Anschaffung eines Blockheizkraftwerks für die Botanik in Klein-Flottbek. Doch die Möglichkeiten solcher ``top-down''-Maßnahmen sind vorerst ausgereizt. Stille Reserven für einen bewußten Umgang liegen - wie Hamburger Schulen gezeigt haben - beim Nutzer.

Was will der Runde Tisch?

Hier will der Runde Tisch Energie in der Universität Hamburg ansetzen. Der Runde Tisch wurde im Dezember 1996 auf Anregung von Prof. Hartwig Spitzer (Fachbereich Physik) und Ing. Hans-Peter Zeise (Technischer Dienst) gegründet. Um den Runden Tisch sitzen zur Zeit Universitätsangehörige - von der Diplomandin bis zum Professor - aus den Bereichen Betriebswirtschaft, Chemie, Geowissenschaften, Informatik, Psychologie und Physik, darunter die Professoren K.-W. Hansmann (Betriebswirtschaft), A. Rolf (Informatik) sowie G. Huber, H. Spitzer und G. Zimmerer (Physik).

Der Runde Tisch will Anstöße für einen verantwortungsbewußten Umgang mit Energie in der Universität geben und zur Optimierung der Energienutzung beitragen. Sein Motto ist: \it``Wir fangen bei uns selber an''. \rm Der Runde Tisch arbeitet mit dem Arbeitskreis Agenda 21 der Universität und der Arbeitsstelle Universitätsentwicklung zusammen.

Was tun?

Wie lassen sich Nutzer und Nutzerinnen `an der Basis' für einen bewußten Umgang mit Energie interessieren und motivieren? Energie ist eine kostbare und lebenswichtige Resource. Zunächst einmal ist Information über Verbrauchswerte nötig, möglichst detailliert für das jeweilige Institut, den Hörsaal, das eigene Gerät. Wieviel Strom zieht eigentlich mein PC mit Bildschirm-Schonprogramm?

Dann gilt es, Anreize und strukturelle Unterstützung für energiebewußtes Verhalten zu schaffen. Dafür sind einerseits klare haushaltsrechtliche Regelungen nötig, wie beim Fifty-Fifty-Programm der Schulbehörde. Andererseits geht es um eine Aktivierung von der Basis her etwa durch Bildung von Energieteams in den Instituten. Schließlich ist der `energetische Rucksack' von Geräten bei der Anschaffung und beim Betrieb konsequent zu berücksichtigen.

``Auch das noch'', werden jetzt einige alte Hasen sagen. ``Sparen ist bisher in der Universität noch nie belohnt worden''. In der Tat, der Runde Tisch will die Nagelprobe drauf machen, ob sich ein sparsamer Umgang mit Energie in der Universität lohnen kann. Dazu soll zunächst grundsätzlich geklärt werden, ob ein Programm zur dezentralen Verrechnung von Energieverbräuchen und zur Auszahlung eines Teils der Einspargewinne eingeführt werden kann. Bei positivem Ergebnis sollen anschließend Vereinbarungsgespräche mit Vertretern aus der Universität, insbesondere aus den Fachbereichen, der Universitätsverwaltung, sowie Vertretern der Mitarbeiter und der Studierenden durchgeführt werden. Der Prozeß soll von einem externen Moderator begleitet werden, der über Erfahrung auf den Gebieten Energie und Zielfindung in großen Institutionen verfügt. Dabei geht um so praktische Fragen wie

Die Vereinbarungen werden anschließend den verantwortlichen Stellen und Gremien der Universität zur Entscheidung vorgelegt. Ein entsprechender Projektantrag wurde im Februar bei der Arbeitsstelle Universitätsentwicklung eingereicht und von der Steuerungsgruppe der Arbeitsstelle unter Leitung des Universitätspräsidenten grundsätzlich genehmigt. In den nächsten Monaten soll es losgehen. Die Initiatoren sind sich allerdings bewußt, daß sie sich eine große Aufgabe vorgenommen haben, nämlich die Veränderung der Unternehmenskultur der Institution Universität im Umgang mit Energie. Das wird nur durch Offenheit und entschlossenes Herangehen auf allen Entscheidungsebenen und vor allem durch eine Mitarbeit und Vernetzung vieler Universitätsangehöriger `vor Ort' zu schaffen sein.

Wie können Mann oder Frau mitmachen?

Der Runde Tisch tagt einmal im Monat. Energiefreudige Universitätsangehörige - insbesondere aus den bisher nicht vertretenen Bereichen - sind herzlich willkommen. Darüber hinaus begrüßt der Runde Tisch die Bildung von Energieteams in den einzelnen Einrichtungen.

Kontakt:

Professor Hartwig Spitzer
II. Institut für Experimentalphysik
Luruper Chaussee 149
22761 Hamburg
Tel: 8998-2313 - Fax: 8998-3282
E-Mail:
hartwig.spitzer@desy.de

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Last modified: Mon Oct 13 13:17:14 1997